Warum du Teilzeit-Führungspositionen auf Indeed & Co. kaum findest – und was stattdessen hilft
- Sina Steinke
- 20. Aug.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Ein Erfahrungsbericht aus zwei Perspektiven: Warum klassische Jobportale bei Teilzeit- und Jobsharing-Führungspositionen an ihre Grenzen stoßen – und was Kandidat:innen wie Arbeitgeber:innen stattdessen brauchen.

Stell dir vor, du bist erfahrene Führungskraft, willst beruflich nicht zurückstecken – aber eben nicht mehr in Vollzeit. Du öffnest ein großes Jobportal, filterst nach "Teilzeit" und "Führungsposition" und landest bei ein paar hundert Treffern.
Die Ernüchterung kommt beim genaueren Lesen: Die meisten Anzeigen erwähnen Teilzeit nur vage, "nach Absprache", ohne dass die Stelle tatsächlich dafür ausgelegt ist. Ein Anruf bei der Personalabteilung bestätigt dann oft, dass "Teilzeit" eigentlich "vielleicht 35 statt 40 Stunden" bedeutet – nicht das, was du gesucht hast.
Und die andere Seite kennt ein spiegelbildliches Problem: Ein Unternehmen ist grundsätzlich offen dafür, eine Führungsposition in Teilzeit oder im Jobsharing zu besetzen. Aber die eigene Stellenanzeige verschwindet auf den großen Portalen zwischen tausenden Vollzeit-Ausschreibungen – und genau die Kandidat:innen, die aktiv nach einem Teilzeit-Führungsmodell suchen, sehen sie dort gar nicht erst.
Beide Seiten suchen im Grunde dasselbe: eine Übereinkunft, die auf den etablierten Jobportalen strukturell schwer zu finden ist.
Warum klassische Jobportale bei Teilzeit-Führung an ihre Grenzen stoßen
Ganz unmöglich ist die Suche auf großen Jobbörsen nicht – wer Filter geschickt kombiniert, findet dort auch als Führungskraft ab und zu etwas Passendes. Nur ist der Weg dahin mühsam, und das hat mehrere Gründe:
Das Grundangebot ist strukturell klein. Inzwischen arbeitet knapp ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland in Teilzeit – Tendenz steigend (Statistisches Bundesamt, Mai 2026). Der Anteil der Stellen, die von vornherein als Teilzeit- oder gar Führungsposition ausgeschrieben werden, liegt aber deutlich darunter. Wer auf Führungsebene in Teilzeit sucht, konkurriert also nicht nur mit unklaren Filtern, sondern mit einem grundsätzlich kleineren Angebot als auf den ersten Blick vermutet.
Die Filter sind zu grob, um Führungsebene und echte Teilzeittauglichkeit gemeinsam abzubilden. "Teilzeit" als Filterkategorie unterscheidet nicht zwischen einer 20-Stunden-Assistenzstelle und einer 30-Stunden-Position mit Personalverantwortung. Selbst mit kombinierten Filtern nach Ort, Karrierestufe und Arbeitszeit bleibt am Ende eine große Zahl an Treffern übrig, die man einzeln durchsehen muss – und nur ein Bruchteil davon ist am Ende wirklich passend.
"Teilzeit möglich" heißt oft nicht, dass es ernst gemeint ist. Viele Ausschreibungen erwähnen Teilzeit als theoretische Option, ohne konkrete Stundenzahl oder erkennbare Überlegung, wie das für eine Führungsrolle funktionieren soll. Das kostet Bewerber:innen Zeit – und Unternehmen am Ende Kandidat:innen, die frustriert abspringen.
Jobsharing ist auf den Standardportalen keine eigene Kategorie. Wer im Tandem sucht, findet dafür in den üblichen Suchmasken kein passendes Format – die Option bleibt meist nur, sich zu zweit auf eine ganz normal ausgeschriebene Vollzeitstelle zu bewerben und das Modell aktiv vorzuschlagen. Das kann funktionieren, setzt aber voraus, dass man das Unternehmen davon erst noch überzeugt, statt eine Position zu finden, bei der das schon vorgesehen ist.
Automatisierte Kuration erkennt keine Nuancen. Algorithmen matchen auf Basis von Stichworten, nicht auf Basis dessen, ob eine Position wirklich verantwortungsvoll UND in Teilzeit gestaltbar ist. Genau diese Kombination ist aber der Kern dessen, wonach erfahrene Fach- und Führungskräfte suchen, die beruflich nicht zurückstecken wollen.
Warum Arbeitgeber:innen auf klassischen Portalen nicht glaubwürdig ankommen
Aus Arbeitgeberseite sieht das Problem anders aus, ist aber genauso real. Unternehmen, die grundsätzlich offen für Teilzeit- oder Jobsharing-Führung sind – etwa digitale und agile Unternehmen, Scale-ups oder Organisationen im Bereich Social Entrepreneurship – haben es schwer, das auf Massenportalen glaubwürdig zu kommunizieren. Ihre Anzeige sieht dort aus wie jede andere Vollzeit-Ausschreibung auch. Die Zielgruppe, die aktiv nach Teilzeit-Führung sucht, geht auf diesen Portalen oft gar nicht erst auf die Suche, weil sie dort selten fündig wird – ein Teufelskreis, der auf beiden Seiten Vertrauen kostet.
Gleichzeitig ist der klassische Weg über Personalvermittler:innen oder Headhunter für viele Organisationen finanziell kaum tragbar: Übliche Provisionen liegen bei 20–35 % des Bruttojahresgehalts, bei Führungspositionen eher am oberen Ende dieser Spanne (Leantree). Bei über 58 % der Unternehmen liegt allein der Cost-per-Hire für Führungspositionen heute schon bei mindestens 10.000 €, bei rund 29 % zwischen 20.000 € und 50.000 € (Kenjo). Und über zwei Drittel der Unternehmen brauchen für die Besetzung einer Führungsposition heute länger als drei Monate (Leantree) – jeder dieser Monate bedeutet Vakanzkosten, die sich weiter aufsummieren.
Wer als Unternehmen offen für Teilzeit-Führung ist, aber diese Offenheit auf einem Massenportal nicht sichtbar machen kann, verschenkt also nicht nur eine Zielgruppe – sondern womöglich auch eine kostengünstigere Alternative zur klassischen Besetzung.
Was es stattdessen braucht: Kuration statt Vollständigkeit
Genau aus diesem doppelten Problem heraus habe ich meine Stellenbörse für Führungspositionen in Teilzeit, Jobsharing und Topsharing aufgebaut. Sie folgt einer bewusst anderen Logik als die großen Portale: keine automatisierte Vollständigkeit, sondern eine handverlesene, wöchentlich aktualisierte Auswahl – für Berlin/Brandenburg und ortsunabhängig.
Jede Position wird persönlich geprüft, bevor sie aufgenommen wird. Entscheidend sind unter anderem: Führungsebene, Teilzeit/Jobsharing/Topsharing ausdrücklich und ernsthaft möglich (nicht nur "nach Absprache"), Verantwortung, die nicht zwingend an Vollzeitpräsenz gekoppelt ist. Ist eine Ausschreibung unklar formuliert, frage ich bei der ausschreibenden Organisation nach, bevor eine Stelle aufgenommen oder abgelehnt wird.
Die vollständigen Auswahlkriterien sind auf einer eigenen Seite transparent dokumentiert.
Für Kandidat:innen bedeutet das: weniger Zeit mit dem Durchklicken vager Anzeigen, mehr Sicherheit, dass eine gelistete Position tatsächlich für Teilzeit- oder Tandemmodelle gedacht ist.
Für Arbeitgeber:innen bedeutet es: Zugang zu einer Zielgruppe, die sie über klassische Portale kaum gezielt erreichen – ohne die Kosten eines Personalvermittlers.
Die Nutzung der Börse ist für beide Seiten kostenlos. Finanziert wird sie über freiwillige Beiträge – ein Modell, das bewusst auf Vertrauen statt auf einen Fixpreis setzt. Details zu den freiwilligen Zahlungen sind auch auf der Stellenbörse-Seite verlinkt.
Klassisches Jobportal vs. kuratierte Stellenbörse im Überblick
Klassisches Jobportal | Kuratierte Stellenbörse | |
Auswahl | Automatisiert, auf Vollständigkeit optimiert | Persönlich geprüft, auf Passung optimiert |
Sichtungsaufwand für Kandidat:innen | Hoch – viele Treffer manuell prüfen | Gering – Vorauswahl bereits getroffen |
Teilzeit-Filter | Grob, oft unpräzise | Nur ernsthafte Teilzeit-/Jobsharing-Optionen gelistet |
Jobsharing als Konzept | Kaum abbildbar | Explizit vorgesehen |
Sichtbarkeit für Arbeitgeber:innen | Geht in der Masse unter | Erreicht gezielt die passende Zielgruppe |
Kosten für Arbeitgeber:innen | Portalgebühr oder Headhunter-Provision (20–35 % des Jahresgehalts) | Kostenlose Nutzung, freiwilliger Beitrag |

Mein Blick aus der Praxis
Die Anfragen, die mich über die Stellenbörse erreichen, ähneln sich oft: erfahrene Fach- oder Führungskräfte, die bereits im Job stehen oder nach einer Auszeit wieder einsteigen wollen, und die sich auf klassischen Portalen regelrecht "durchgekämpft" haben, bevor sie überhaupt bei mir gelandet sind.
Auf Arbeitgeberseite erlebe ich häufig Organisationen, die intern längst offen für Teilzeit-Führung sind – aber schlicht nicht wissen, wie sie das nach außen glaubwürdig kommunizieren sollen, ohne in der Masse der Standard-Ausschreibungen unterzugehen. Eine kuratierte, kleinere Börse kann genau diese Lücke schließen: nicht durch mehr Reichweite, sondern durch gezieltere Passung.
Was das für dich bedeutet
Wenn du auf der Suche nach einer Teilzeit-Führungsposition, Jobsharing oder Topsharing bist: Schau in die Stellenbörse – aktuell und wöchentlich aktualisiert.
Wenn du als Organisation eine Führungsposition ausschreiben willst, die sich auch in Teilzeit oder im Tandem besetzen lässt: Melde dich einfach per E-Mail an helloe@sinasteinke.de um deine Stelle in die Börse aufzunehmen.
Für alle, die über die reine Stellensuche hinaus Begleitung brauchen: Im CAREer Coaching unterstütze ich Kandidat:innen dabei, den passenden nächsten Schritt zu finden. Und für Organisationen, die Jobsharing nicht nur ausschreiben, sondern strukturell aufbauen wollen, gibt es das Jobsharing-Training.
FAQ
Warum finde ich Teilzeit-Führungspositionen wie Jobsharing auf großen Jobportalen so schlecht?
Zum einen, weil deutlich weniger Stellen von vornherein in Teilzeit ausgeschrieben werden, als es dem Anteil der Teilzeitbeschäftigten entspräche. Zum anderen, weil die Filter dort meist zu grob sind und viele verbleibende Anzeigen Teilzeit nur vage erwähnen, ohne dass die Stelle intern tatsächlich dafür ausgelegt ist. Jobsharing als eigene Kategorie gibt es in den Standard-Suchmasken der großen Portale zudem kaum.
Was unterscheidet eine kuratierte Stellenbörse von einem klassischen Jobportal?
Eine kuratierte Börse verzichtet bewusst auf Vollständigkeit zugunsten von Passung: Jede Position wird persönlich geprüft, statt automatisiert übernommen zu werden. Aufgenommen werden nur Positionen, bei denen Teilzeit, Jobsharing oder Topsharing ausdrücklich und ernsthaft möglich ist.
Lohnt sich eine Stellenbörse für Arbeitgeber:innen, wenn Personalvermittler teurer sind?
Ja, gerade deshalb: Während Personalvermittler:innen für Führungspositionen üblicherweise 20–35 % des Bruttojahresgehalts berechnen, ist die Nutzung der Stellenbörse kostenlos und finanziert sich über freiwillige Beiträge – bei gleichzeitig gezielterem Zugang zur passenden Zielgruppe.
Was zählt als "echte" Teilzeit- oder Jobsharing-Position?
Entscheidend ist, dass Verantwortung nicht zwingend an Vollzeitpräsenz gekoppelt ist und die Teilzeit- oder Tandemoption erkennbar ernst gemeint ist – nicht nur als Pro-forma-Hinweis in der Ausschreibung.
Quellen
Über die Autorin
Sina Steinke ist Jobtandem-Coach (JOYntLEADING®), systemischer & Mental Health Coach und begleitet Jobtandems sowie Führungstandems dabei, Co-Leadership und Joint Leadership strukturiert und nachhaltig zu gestalten. Mehr unter sinasteinke.de/ueber-mich
.png)


Kommentare